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Wirtschaftliches und effizientes Schmerzmanagement

"Der Schmerz herrscht über die Menschen schrecklicher als selbst der Tod"

Albert Schweitzer (1875-1969)

"Schmerz ist ein erhebliches gesundheitspolitisches Problem in ganz Europa.

Während akuter Schmerz zurecht als ein Warnsymptom für verschiedene Erkrankungen oder Verletzungen angesehen wird, ist chronischer und/oder chronisch rezidivierender Schmerz ein spezifisches Gesundheitsproblem und eine eigenständige Krankheit."

(Erklärung des EFIC zum Thema Schmerz als erhebliches gesundheitspolitisches Problem und eigenständige Krankheit, 2001)

Prävalenz chronischer Schmerzen

Der EFIC Deklaration von 2001 ist zu entnehmen, dass chronische Schmerzen in der Europäischen Union zu einem der häufigsten und am weitesten verbreiteten Krankheitsbildern gehören. Studien, die innerhalb der Gemeinschaft durchgeführt wurden, zeigen, dass zu jedem beliebigen Zeitpunkt ca. 50% der erwachsenen Bevölkerung an einer oder mehreren Schmerzarten leiden. Dieser Prozentsatz steigt mit zunehmendem Alter deutlich an.

Obwohl nur sehr wenige Menschen an Schmerzen sterben, leiden viele zum Zeitpunkt des Todes an Schmerzen und eine noch größerer Anzahl an Menschen muss mit Schmerzen leben. Schmerz ist jedoch nicht gleich Schmerz. Akuter Schmerz ist als kurzer, sich selbst begrenzender Prozess definiert, der eine physiologische Warnfunktion besitzt. Im Gegensatz dazu haben chronische Schmerzen ihre Warnfunktion und ihren Bezug zur auslösenden Ursache meist verloren. Chronische Schmerzen (Dauer- oder rezidivierende Schmerzen, die über 6 Monate auftreten) haben sich verselbständigt und wirken sich häufig nicht nur fatal auf die Lebensqualität und Gesundheit des Betroffenen, sondern auch auf das Leben im sozialen und familiären Umfeld aus. Chronische Schmerzen gehen zudem meist mit einer Reihe komplexer physischer, psychischer und sozialer Probleme einher. Diese Probleme können die Schmerzwahrnehmung des Patienten signifikant erhöhen.

Schmerzmanagement

Die Qualität der Schmerzbehandlung rückt heute zunehmend in den Blickpunkt der öffentlichen Diskussion. Schmerzbekämpfung und die palliative Behandlung von Patienten im Endstadium einer Erkrankung wurden leider von der westlich geprägten Medizin lange Zeit vernachlässigt. Ein Grund könnte die primäre Ausrichtung der modernen Medizin auf Heilung sein. Die Betreuung chronischer Schmerzpatienten wird oft als schwierig und frustrierend empfunden. Dies sicherlich nicht zuletzt aufgrund einer unbefriedigenden Aus- und Weiterbildungssituation. Physisch und zumeist auch psychisch geschwächte Patienten sind häufig nicht in der Lage, ihre Rechte energisch einzufordern.
Kulturell und sozial bedingt kommt häufig eine verbesserungswürdige Kommunikation zwischen Ärzten, Patienten und Angehörigen und eine Bagatellisierung des "Symptomes" Schmerz hinzu. Dies kann bei Betroffenen und Behandelnden zu einer unterschiedlichen Wahrnehmung des Phänomens"Schmerz" führen, die langfristig in beidseitiger Frustration, Vertrauensverlust und Rückzug enden kann. Häufiger Arztwechsel und mangelnde Compliance sind die typische Folge und Hauptgründe für ein unbefriedigendes "Schmerzmanagement".

Für Betreuung und Behandlung chronischer Schmerzpatienten ist primär ein interdisziplinärer, multimodaler Ansatz erforderlich. Häufig wird dies durch starre gesundheitliche Versorgungsstrukturen behindert. Hinzu kommen knappe wirtschaftliche und zeitliche Ressourcen sowie mangelndes Wissen.

Durch intensive Aufklärungsarbeit, das Engagement von Betroffenengruppen und den unermüdlichen Einsatz einzelner Ärzte und Politiker vollzieht sich eine grundsätzliche Neubewertung der Schmerzbekämpfung als eine der zentralen Aufgaben einer patientenorientierten Medizin. Unter dem Druck der öffentlichen Meinung, getragen von erheblichen Belastungen der Betroffenen und den immensen volkswirtschaftlichen Kosten wird die Sicherstellung von kompetenter ambulanter und stationärer Schmerzbehandlung in Zukunft zu einem entscheidenden Standortvorteil in einem zunehmend kompetitiv ausgerichteten Gesundheitssystem.



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