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Schmerzbewältigung: Den Schmerz annehmen


Bei der Schmerzbewältigung kommt es nicht allein darauf an, die Schmerzen medikamentös zu beseitigen. Eine erfolgreiche Schmerzbewältigung soll einer Chronifizierung vorbeugen und dem Patienten ein Stückchen Lebensqualität zurückbringen. Er erfährt, wie er den Kreislauf aus Angst, Verzweiflung und Schmerz durchbrechen kann. Wichtig: Der Betroffene muss lernen, seinen Schmerz zu akzeptieren. Auch mit Schmerzen kann man aktiv sein und sich am Leben erfreuen. Bei der Schmerzbewältigung wird der Schmerzpatient sein eigener Therapeut.

„Die Schmerzen kann ich nicht mehr ertragen, mein Leben ist nicht mehr lebenswert,“ das sagen und denken viele Menschen, die ständig Schmerzen ertragen müssen. Doch Angst, Wut und Hoffnungslosigkeit verstärken nur den Schmerz, helfen weder dem Körper noch der Seele. Betroffene müssen lernen, mit den Schmerzen zu leben.

Mittelpunkt Mensch

Bei der Schmerzbewältigung steht eine Person im Mittelpunkt: der Patient selber. Er kann seine (Schmerz-) Situation aktiv beeinflussen – und verbessern. Die Möglichkeiten dabei sind vielfältig: Entspannungsübungen, Freizeitaktivitäten, Kontakt zu Selbsthilfegruppen oder Fitness sind für die Patienten eine große Hilfe. Zwar bleibt in einigen Fällen der Schmerz, aber er wird bedeutungsloser, rückt in den Hintergrund und verliert seine Bedrohlichkeit.

Eine gesunde Lebenseinstellung

Bei der Entstehung, Bewältigung bzw. Vermeidung von Krankheiten und Schmerzen spielen körperliche, seelische und soziale Faktoren eine entscheidende Rolle. Selbstbewusste Menschen, die aktiv und optimistisch sind, gute Freunde und eine liebevolle Familie um sich haben, können Krankheit und Schmerz besser verarbeiten. Pessimismus, Passivität und Einsamkeit hingegen verstärken Schmerzen und Erkrankung.

Auch die berufliche Situation beeinflusst die Gesundheit. Ein unzufriedener Arbeitnehmer, der zuviel für zuwenig Geld arbeitet, fühlt sich ausgenutzt und verkannt. Eine „ungesunde“ Einstellung, die Krankheiten und Schmerzen verstärken kann. Andererseits kann sich Arbeit auch gesundheitsfördernd auswirken: Wer tagtäglich Verantwortung übernimmt, Entscheidungen trifft und in der Lage ist, zu delegieren, kann auch gesundheitlichen „Stress“ besser verarbeiten.

Auf der Suche nach Hilfe

Menschen, die plötzlich (krankhafte) Veränderungen in ihrem Körper wahrnehmen, machen unterschiedliche Phasen des "Hilfesuchens“ durch. Zunächst werden die Symptome wahrgenommen und bewertet. Sind die Krankheitszeichen bedrohlich? Könnten sie einen simplen Ursprung haben, wie z. B. eine Erkältung, eine Sportverletzung oder Stress? Oder sind sie womöglich ernsterer Natur? Personen, die sich in dieser Phase befinden, verleugnen entweder, dass irgendetwas nicht stimmt, oder sie behandeln sich selbst (z. B. mit rezeptfreien Medikamenten oder Hausmitteln). Bleiben die Symptome oder werden sie sogar stärker, gehen die Betroffenen dazu über, sich dem Umfeld mitzuteilen. Jetzt haben Freunde und Familie die Möglichkeit, Druck auszuüben und dem Erkrankten einen Arztbesuch nahe zu legen. In der letzten Phase nimmt der Betroffene dann tatsächlich professionelle medizinische Hilfe in Anspruch.

Individuelle Schmerzbewältigung

Leiden Menschen unter Schmerzen, muss eine Chronifizierung des Schmerzes vermieden werden. Dabei ist neben einer frühzeitigen medikamentösen Schmerztherapie auch das Verhalten des Patienten entscheidend. Es kann die Schmerzintensität und –dauer positiv oder negativ beeinflussen.

Rückzug aus dem Leben:

Schmerzpatienten, die sich zurückziehen und körperliche Bewegung vermeiden, weisen ein Verhalten auf, das man auch als „passives Coping“ bezeichnet. Dieser Verzicht auf Bewegung ist eine rein persönliche Entscheidung des Betroffenen. Ein Verhalten, das aus medizinischer Sicht häufig gar nicht angezeigt (indiziert) ist. Oft verbringen diese Patienten mehrere Stunden am Tag im Bett, konzentrieren sich auf ihren Schmerz und schließen sich so von körperlichen und sozialen Aktivitäten aus. Die Folgen können depressive Verstimmungen und Muskelschwund sein. Beides kann den Schmerz verstärken.

Durchhalten um jeden Preis:

Doch nicht nur extreme Passivität kann den Schmerz verstärken, auch übertriebener Aktivismus ist gefährlich. Einige Patienten glauben, dass sie trotz auftretender Schmerzen um jeden Preis durchhalten müssen. Selbst anstrengende Tätigkeiten werden zu Ende geführt, eine Schonung oder Pause gönnen sie sich nicht. Dadurch werden die Muskeln allerdings stark belastet. Eine Überbeanspruchung, die eine Chronifizierung des Schmerzes nach sich ziehen kann.

Schmerzbewältigung von Anfang an

Wenn ein Patient unter starken und andauernden Schmerzen leidet, reicht eine Schmerztherapie alleine meist nicht aus. Sinnvoll ist es, auch Strategien zur Schmerzbewältigung zu erlernen. Je eher desto besser. Dabei lernt der Patient, den Schmerz als Herausforderung zu betrachten. Eventuelle Rückschläge sollte der Betroffene als Erfahrung akzeptieren und sich davon nicht abhalten lassen, auch weiterhin dem Schmerz mit Entschlossenheit entgegenzutreten. Hilfreich kann der Besuch von Psychologen und Physiotherapeuten sein, aber auch die Unterstützung von Familie, Freunden und Kollegen.

Bereitschaft zur Veränderung

Die besten Therapieangebote und die fähigsten Ärzte können wenig ausrichten, wenn der Patient seine Mitarbeit verweigert. Die Bereitschaft von Patienten, ihr Verhalten entsprechend der Erkrankung zu verändern, macht nach neuesten Erkenntnissen vermutlich verschiedene Entwicklungsphasen durch (Transtheoretisches Modell): In der ersten Phase wird nichts unternommen (Precontemplation, Sorglosigkeit), dann denkt der Patient zumindest darüber nach, sein Leben zu ändern (Contemplation, Bewusstwerden). In der dritten Phase (Preparation, Vorbereitung) kündigt er seinem Umfeld an, dass er etwas ändern wird. In der vierten Phase (Action, Handlung) hat der Patient seine Lebensweise umgestellt, ist aber in seinen neuen Verhaltensregeln noch nicht gefestigt. In der letzten Phase (Termination, Stabilität) hat der Betroffene es geschafft, die Veränderung über einen längeren Zeitraum aufrecht zu halten.

Leider gibt es immer noch Patienten, die begleitende Therapiemaßnahmen als zu aufwendig und zeitraubend empfinden. Oft fehlt auch das Verständnis für diese Methoden. Doch die Erfolge dieser Behandlungsmaßnahmen, wie z. B. autogenes Training oder Biofeedback, sprechen für sich und sind heute ein fester Bestandteil vieler Schmerztherapien.

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